Der V8 gehört zu den konstruktiven Höhepunkten der klassischen Verbrennertechnik. In seinen gelungensten Ausführungen verbindet er souveräne Kraftentfaltung mit feiner Laufkultur, unmittelbarem Ansprechen und einer Gelassenheit, die eine lange Fahrt zu etwas Besonderem macht. Seine Größe liegt nicht allein in der Leistung. Sie liegt auch darin, wie selbstverständlich er diese Leistung bereitstellt.
Gen III: früher Konstruktionsentwurf, Ende 1991 / Anfang 1992.
CarTech / LS Engine DIY · ursprünglicher Zeichner nicht ausgewiesen · Archivquelle ↗
Eine Würdigung. Keine Rangliste.
Gerade die Achtzylinder der 1990er- und 2000er-Jahre zeigen unterschiedliche Wege zu diesem Ideal: japanische Präzision, deutsche Konstruktionskultur und amerikanischen Erfindungsgeist. Aufwendige Vierventiltechnik steht neben bewusst einfachen Lösungen; leichte Aluminiumkonstruktionen neben kräftig dimensionierten Motoren für schwere Aufgaben. Gemeinsam ist ihnen eine klare Vorstellung davon, was ein guter Antrieb leisten soll.
Dabei muss ein V8 keineswegs ständig aus dem Vollen schöpfen. Bei gleichmäßiger, maßvoller Autobahnfahrt kann eine gut übersetzte Reiselimousine einen für ihre Klasse bemerkenswert zurückhaltenden Verbrauch erreichen. Entscheidend sind das gesamte Fahrzeug, seine Übersetzung und das Reisetempo – nicht allein die Zahl seiner Zylinder. Auch hohe Laufleistungen passen zu dieser Bauart: Eine sorgfältige Konstruktion, regelmäßige Wartung und ein angemessener Umgang schaffen die Voraussetzungen für ein langes Motorenleben.
Für uns ist diese Sammlung mehr als ein Rückblick. Viele Fahrzeuge mit solchen Achtzylindern haben wir über die Jahre verkauft. Ihre unterschiedlichen Charaktere gehören deshalb auch zur Geschichte unseres Unternehmens. Wir stellen hier neun Konstruktionen vor, die uns aus unterschiedlichen Gründen bemerkenswert erscheinen: nicht als Rangliste, sondern als Würdigung einer besonderen Form automobiler Ingenieurskunst.
Es gibt Motoren, die ihre Gegenwart unüberhörbar verkünden. Der 1UZ-FE wurde für das Gegenteil geschaffen: Er sollte arbeiten, ohne sich aufzudrängen. Als Herz des ersten Lexus LS 400 gehörte er zu einer Entwicklung, bei der Laufruhe, Fertigungsgenauigkeit und die Abstimmung des gesamten Antriebs ungewöhnlich große Aufmerksamkeit erhielten.
Mit dem 3UZ-FE führte Toyota eine bereits überzeugende Idee weiter. Der größere Hubraum und die variable Steuerung der Einlassnockenwellen sollten nicht lediglich bessere Zahlen liefern. Sie dienten vor allem einer Kraftentfaltung, die den Ansprüchen einer komfortablen Oberklasselimousine ebenso entgegenkam wie denen eines gepflegten Reisecoupés.
Lexus LS 430 im Windkanal. Lexus-Werksarchiv, Baureihenzeitraum 2000–2003; genaues Aufnahmedatum nicht ausgewiesen. Fahrzeug-Aerodynamik, kein Motorenprüfstand.
Innerhalb der UZ-Familie nimmt der 2UZ-FE eine eigene Stellung ein. Während seine Verwandten besonders mit den großen Lexus-Limousinen verbunden sind, gehört dieser Achtzylinder zur Welt schwerer Geländewagen. Im Land Cruiser 100 verbindet er die Anforderungen eines arbeitsfähigen Allradfahrzeugs mit dem Anspruch an einen angenehmen Reiseantrieb.
Der 4,7-Liter-2UZ-FE des Million-Mile-Tundra auf dem Prüfstand in Huntsville. Spätere Untersuchung nach dem Erreichen der Million-Meilen-Marke 2016, keine Aufnahme aus der ursprünglichen Motorenentwicklung. Genaues Aufnahmedatum nicht ausgewiesen.
Mit dem Infiniti Q45 betrat Nissan die internationale automobile Oberklasse mit einer eigenen Vorstellung von Luxus. Das Fahrzeug sollte nicht lediglich bekannte europäische Formen nachbilden. Unter seiner Haube arbeitete ein neu entwickelter Achtzylinder, der diesem Anspruch eine technische Grundlage gab: der VH45DE.
Der Name Northstar steht für einen besonderen Anspruch innerhalb der Geschichte von Cadillac. Mit diesem zum Modelljahr 1993 eingeführten Achtzylinder verband die Marke ihre Vorstellung von großzügigem amerikanischem Komfort mit einer aufwendigen, drehfreudigen Motorkonstruktion.
Der M119 gehört zu jenen Motoren, die eine Epoche von Mercedes-Benz besonders anschaulich machen. 1989 im neuen SL vorgestellt, fand er später unter anderem im 500 E und in der S-Klasse der Baureihe W140 seinen Platz. Damit war er gleichermaßen Antrieb eines offenen Reisewagens, einer sportlichen Limousine und eines großen Repräsentationsautomobils.
Wolfgang Kalbhenn, an der Entwicklung des M119 beteiligter Mercedes-Motorenentwickler. Späteres Zeitzeugenporträt aus dem Motorikonen-Beitrag; Aufnahmedatum nicht angegeben, keine historische Entwicklungsaufnahme.
Motorikonen · Fotograf nicht ausgewiesen · Archivquelle ↗
Der M113 zeigt, dass eine neue Motorengeneration nicht zwangsläufig mehr Bauteile und größere Komplexität benötigt. Mercedes-Benz wählte bei dieser ab 1997 eingeführten Familie einen anderen Weg als beim M119: eine obenliegende Nockenwelle je Zylinderbank, drei Ventile und zwei Zündkerzen pro Zylinder.
Mit dem LS1 begann 1997 in der Corvette C5 ein neues Kapitel der amerikanischen Achtzylindertradition. General Motors hielt an einem vertrauten Grundgedanken fest: viel nutzbarer Hubraum in einer vergleichsweise kompakten Konstruktion. Zugleich wurde dieser Gedanke mit Aluminium, moderner Motorsteuerung und einer neu entwickelten Motorengeneration fortgeführt.
Der Dreiventiler der Ford-Modular-Familie steht für eine andere Seite der Achtzylinderkultur. Er war nicht allein für die automobile Spitze bestimmt, sondern für Fahrzeuge mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. Im Mustang GT des Modelljahres 2005 trat er als sportlicher Antrieb auf; ab Modelljahr 2006 arbeitete er auch im Explorer.
Schnittdarstellung des Dreiventil-Zylinderkopfs für den Mustang GT 4.6 3V. Zeitgenössische Ford-Produktinformation zum Modelljahr 2005, gedruckte Seite 6 (PDF-Seite 7), Bildausschnitt. Technische Illustration, keine Prüfstandsaufnahme.
Ford Motor Company · Product Information Book 2005 · Scan: shnack.com · Archivquelle ↗
Ingenieurskunst, die bleibt
Was diese Motoren verbindet
Diese neun Konstruktionen verfolgen nicht dieselbe Idee von Vollkommenheit. Manche beeindrucken durch ihre Feinheit, andere durch ihren zweckmäßigen Aufbau, ihre Kraftentfaltung oder ihren technischen Ehrgeiz. Gerade darin liegt der Wert dieser Sammlung.
Uns interessieren Motoren, deren Charakter über eine Leistungsangabe hinausgeht. Antriebe, an denen sich erkennen lässt, was ihre Konstrukteure erreichen wollten – und wie unterschiedlich der Weg dorthin aussehen konnte.
Der große Achtzylinder steht dabei für eine besondere Vorstellung vom Automobil: Kraft als Reserve, Technik als sorgfältige Arbeit und Komfort als die Fähigkeit, lange Strecken angenehm zurückzulegen. Diese Qualitäten verdienen Aufmerksamkeit, auch wenn ein Fahrzeug längst nicht mehr neu ist.